Mahn- und Gedenktreffen

Wahrheit, nicht Aufrechnung

Initiativgruppe gedachte in Neuburxdorf der Opfer beider Lager

Neuburxdorf. Inzwischen sind es bereits fast drei Jahrzehnte, in denen man dem Schicksal vieler tausender Inhaftierter im Lager Mühlberg auch offiziell gedenkt. „Hier wächst kein Gras über die Geschichte“, sagte Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel am Sonnabend in ihrer Gedenkrede am Mahnmal für die Toten des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG IV B auf dem Friedhof von Neuburxdorf. Ob mit Gedenkstelen auf dem ehemaligen Lagergelände, in Ausstellungen oder im Austausch mit Zeitzeugen – auf vielfältige Weise werde die Erinnerung wachgehalten und die Geschichte aufgearbeitet.

Sowohl für das Gedenken an die Inhaftierten des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 Mühlberg (1945-1948), als auch an die Kriegsgefangenen des STALAG IV B der Deutschen Wehrmacht (1939-1945) leiste die Initiativgruppe seit nunmehr 29 Jahren viel. Brendel bat die Anwesenden um Unterstützung, auch in Zukunft das Mahnen und Gedenken fortzusetzen, und bei „der Suche nach Frieden“ zu helfen.

Die Gedenkstunde für die Opfer des Speziallagers am Hochkreuz schloss sich wie gewohnt nach einem Gottesdienst im zweiten Teil des Mahn- und Gedenktreffens an. Hier hielt die Aufarbeitungsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker, die Gedenkrede.  Sie erinnerte daran, dass beide Lager ursächlich auf den Zweiten Weltkrieg zurückzuführen sind, dessen 80. Jahrestags seines Beginns einen Tag nach dem Mahn- und Gedenktreffen in vielen Ländern gedacht wurde.

Der Nationalsozialismus sei ebenso wie der Stalinismus dafür verantwortlich, dass im Lager Mühlberg unaussprechliches Leid geschehen sei. Daran zu erinnern, sei ein Akt für die Zivilisierung der Gesellschaft. „Es geht um die Wahrheit, nicht um Aufrechnung“, sagte Birgit Neumann-Becker.

Karsten Bär