30. Mahn- und Gedenktreffen nach Neuburxdorf

Erinnerung in die Zukunft tragen

Initiativgruppe Lager Mühlberg lud zum 30. Mahn- und Gedenktreffen nach Neuburxdorf

Völlig unerwartet für ihn selbst, stand Richard Hochstein beim 30. Mahn- und Gedenktreffen der Initiativgruppe Lager Mühlberg am Sonnabend plötzlich im Mittelpunkt. Der Neunjährige und seine Eltern waren gemeinsam mit Mitgliedern des Heimatvereins von Arzberg im benachbarten Nordsachsen zu der Veranstaltung nach Neuburxdorf gekommen. Als jüngster Teilnehmer des Treffens wurde er ausgewählt, beim symbolträchtigen Pflanzen zweier Bäume zu helfen. Sein Mitwirken soll den Zeitbogen aus der Gegenwart in die Zukunft schlagen und dazu beitragen, dass das Gedenken nicht erlischt, wie der Vorsitzende der Initiativgruppe, Pfarrer Matthias Taatz, erklärte.

Ein Baum wurde auf dem Friedhof Neuburxdorf nahe dem Mahnmal für die Toten des Kriegsgefangenenlagers in Erinnerung an das Kriegsende vor 75 Jahren gepflanzt. Die Winterlinde ist von der Initiativgruppe Lager Mühlberg gestiftet worden. Der zweite Baum, eine Wildpflaume, wurde von der Verbandsgemeinde Liebenwerda anlässlich der Verleihung des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises 2020 an die Initiativgruppe und des diesjährigen Jubiläumstreffens gestiftet.

Dass dieses Jubiläum begangen werden konnte, war angesichts der herrschenden Umstände im Vorfeld lange nicht klar. Insbesondere den  Ältesten unter den Mitgliedern der Initiativgruppe sei es wichtig gewesen, dass man wieder zusammen komme.

„Weil sie damit wissen, dass es weitergeht im Gedenken“

sagte Matthias Taatz

Unter den Teilnehmer waren neben Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, Herold Quick Bürgermeister der Verbandsgemeinde und Beigeordneter Thomas Richter, Hannelore Brendel und Delf Gerlach auch weitere prominente Gäste. So waren die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Anna Kaminski, die brandenburgische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke und die sachsen-anhaltische Landesbeauftragte, Birgit Neumann-Becker, nach Neuburxdorf gekommen. Als Vertreter der Stiftung Sächsische Gedenkstätten nahm der Leiter der Gedenkstätte Zeithain, Jens Nagel, teil. Auch der Oberbürgermeister von Reichenbach/Vogtland, Raphael Kürzinger, zählte zu den Teilnehmern.

Versöhnung ist nichts, was man einfordern kann. Darauf verwies in seiner Gedenkrede am Hochkreuz Matthias Taatz. Man könne nur zur Versöhnung bereit sein und sie anbieten. So verständlich der Wunsch gerade Jüngerer erscheine, einen Schlussstrich unter Verantwortung und Schuld ebenso wie erfahrenes Unrecht der Vergangenheit zu ziehen: Schlussstriche könne und dürfe es nicht gebe. Allenfalls könne es eine Linie geben, hinter die man nicht mehr zurückgehe. Diese resultiere aus den leidvollen Erfahrungen,  aus deren Lehren das heutige friedliche Europa entstanden ist.

Bei ihrem jährlichen Mahn- und Gedenktreffen erinnert die Initiativgruppe Lager Mühlberg an das Kriegsgefangenenlager, das die Wehrmacht im zweiten Weltkrieg in Neuburxdorf betrieb, und an das spätere sowjetische Speziallager, in dem nach Kriegsende tausende Menschen ohne Gerichtsurteil festgehalten wurden.

Text: Karsten Bär Foto: Stadt Bad Liebenwerda