Rittergut
1608 wurde das Mühlengut aufgrund Verschuldung der Besitzer enteignet. 1614
mit dem Neubau der Mühle, wurde aus der ehemaligen Schenke des Mühlengutes und
dem Wirtschafts- und Wohngebäude ein Hufengut errichtet (Grundstück Adler).
Dieses wurde dem Forst- und Wildmeister Friedrich Sieber übergeben und später
erblich zugesichert. Es wurde dort ein Forsthaus eingerichtet das bis 1648
bestand. Die Mühle gehörte zum Amt Liebenwerda und 1969 bekam sie ein David
Kupfer. 1676 erwarb das Hufengut unter ihren Besitzer Sieber die Mühle vom
Besitzer Kupfer. Durch die Vererbung des Gutes an die Verwanden Siebers gelangte
das Hufengut 1692 in den Besitz des Obrist-Wachtmeisters Andreas Gottfried von
Kirchbach. Gleichzeitig erwarb er alle Ländereien der durch den dreißigjährigen
Krieg ausgestorbenen Bauernhöfe und schuf das Freigut Prieschka. 1698 erhielt
Kirchbach über das Dorf die Ober- und Erbgerichte, sowie die Schriftsässigkeit.
Es entstand das Rittergut. In der Kirche zu Würdenhain ließ er sich einen
Herrschaftsstuhl einrichten. Zum eigenen Schankgut erwarb er noch das Schankgut
Würdenhain. Das Gut hatte damals eigene Winzer in Prieschka und Haida. Die
Weinberge befanden sich in Haida. Mit Erwerb der Gerichtsbarkeit erfolgte die
Trennung des Ortes in Gutsbezirk und Dorfgemeinde. Im Gutsbezirk herrschte der
Gutsherr, im Dorf ein Erbrichter (Erbhufengut).
Nach dem Tod Kirchbachs 1724 bekam das Rittergut sein Vetter, der Königlich
Polnische und Kurfürstlich Sächsische Zug-Hauptmann Hans-Karl von Kirchbach. Zu
seinem Besitz gehörten außer der Mühle und der dazu gehörigen Hufe Land folgende
in den Akten namhaft gemachte Grundstücke: „1. Clemen Lehmanns 1 Hufenguth. 2.
Hannß Riedels oder Antonius Merkischens 1 ½ Hufenguth. 3. Simon Wuigks 1
Hufengut. 4. Thoman Schneiders ½ Hufenguth. 5. Eine Wiese im Oppach. 6. Ein
Stück Wiesenwachs, der Trubel genannt. 6. Hannß Keßels Häußel in Hende.“
Im Jahr 1746 verkaufte Frau Sophia Hedwig Christina von Kirchbach die Mühle, im
Auftrag ihres Mannes, Hanns Carle von Kirchbach auf Tauschwitz und Richtewitz,
seiner Majestät in Polen und kurfürstlichen Durchlaut zu Sachsen hochgeehrten
Berghauptmannes, an den Müller Johann Rohrbach aus Gröditz (siehe Kopie
„Schwarze Elster“ vom 24.06.1909). Die Witwe Kirchbachs verkauft das Rittergut
1766 an einen Ditzthum von Eckstädt. 1768 gehörte das Rittergut der Frau
Amtshauptmann Frederika Elenora Louisa Ditzthum von Eckstädt. Anfang des
Neunzehnten Jahrhunderts gehörte das Rittergut einen Herrn Kadner. Viele
Jahrzehnte besaß es dann die Familie Fischer. 1815 heirate der
Rittergutsbesitzer Fischer die Witwe des ehemaligen Schankwirtes Voigt. Dieser
Fischer unterhielt auch einen Holzhandel und nannte sich Schankgutbesitzer und
Holzhändler. Die Holzlagerstätten befanden sich an den jetzigen Grundstücken
Schuhmann und Dietrich. Die Herrschaft besaß bedeutende Rechte, so z.B. in der
fiskalischen Forst „Hutungs- und Holzgerechtsame“. Als der Fiskus beide Rechte
ablöste, erhielt das Rittergut dafür 52 Morgen Land im so genannten „Reichenhainer
Busch“. Durch die Teilung der Forstreviere 1833, erwarb das Gut die Flurstücke
Oppach und Kliebing. Damit vergrößerte es sich erheblich. Die Waldgebiete
reichten bis zu den Orten Würdenhain, Saathain und Reichenhain und grenzten an
die Gemarkungen von Oschätzchen und Zobersdorf. Wahrscheinlich erfolgten in
dieser Zeit größere Abholzungen und Urbarmachung für Äcker und Wiesen.
Seit dem 17.Jahrhundert bestand auch eine so genannte Schaftrift. Die Schäferei
mit einen sicherlich größeren Schafbestand befand sich in der Nähe der heutigen
Gaststätte. Ursprünglich gehörten auch die Grundstücke Besser, Uhlemann und
Schmidt dazu. 1839 brannte das Gasthaus, die Schäferei, und die vier Gehöfte der
Hofleute nieder. Die neue Schäferei wurde abseits vom Dorf auf den jetzigen
Standort der Werkstatt des Gutes errichtet. Die gutsherrliche Gerichtsbarkeit
wird Mitte des 19.Jahrhunderts aufgehoben. 1863 ließ der Rittergutsbesitzer und
preußische Offizier Leutnant Rudolf Fischer eine Umwandlung des gesamten Gutes
vornehmen. Die Wirtschaftsräume, Stallungen, die Brauerei und Brennerei an der
Röder (Grundstück Adler), sowie das Dreschhaus mit Bergeräume (Grundstück
Schmidt/Frenzel) wurden abgebrochen. Das neue Gut wurde etwa 500m nördlich an
der Straße nach Liebenwerda erbaut. Zum Gut gehören 700 Morgen Land.
1868 wurde das neue Herrenhaus errichtet. Dazu gehörten weiterhin vom Gutshaus
aus auf der rechten Seite gesehen, am Eingang Hundezwinger, Toreinfahrt,
Pferdeställe und Scheunen. Auf der linken Seite eine Brennerei mit hohen
Schornstein, Inspektorwohnung und die Stallanlagen. Auf der Gutshausrückseite
wurde ein Park und Obstplantagen angelegt. Der Gutshof war mit einer hohen Mauer
umgeben. Der Gutshof hat zwei Einfahrten. Der Haupteingang ist die
Kastanienallee an der Straße nach Liebenwerda. Eine andere Zufahrt zum Dorf
befindet sich am linken südlichen Ende des Hofes. Am Südende des Gutshofes,
außerhalb der Mauer, wurden Gesindewohnungen und Schnitterkasernen errichtet. In
den Schnitterkasernen waren während der Haupterntezeit polnische Saisonarbeiter
untergebracht. Auch deutsche Gutsarbeiter aus Schlesien kamen zur Saison zum Gut
und wurden teilweise Stammbelegschaft und siedelten sich hier an. Hierzu zählen
z.B. die Familien Stäbler, Krille und Londa. Wahrscheinlich 1892, das Todesjahr
Fischers, gelangte das Gut in den Besitz des „deutschen Privat-Beamten-Vereins“.
Am 8. Januar 1903 drangen zwei Gutsarbeiter in die Wohnung des Inspektors ein um
ihn angeblich Vorhaltungen zu machen. Da die Leute eine drohende Haltung
einnahmen wollte Herr Metje zum Gehstock greifen, bevor er ihn aber fassen
konnte, drangen die Leute auf ihn ein. Frau Metje die ihren Mann beistehen
wollte erhielt einen starken Schlag ins Gesicht, der noch Folgen haben kann.
Nach dem die Unruhestifter mit Mühe aus der Wohnung entfernt wurden waren,
zerschlugen sie noch einige Fensterscheiben und Blumentöpfe. Als Hilfe aus dem
Dorf herbei geholt war, entfloh der ein Eindringling, der andere wurde gefasst
und gebunden. Hierbei schlug er mit dem Messer um sich. Es konnte ihn aber
rechtzeitig entrissen werden. Der Entflohene wurde später vom Wachtmeister
festgenommen. Beide hatten sich vorher anscheinend Mut angetrunken.
Durch Brandstiftung brennen 1903 zwei Scheunen ab. 1909 wurden 300 Morgen des
Rittergutes parzelliert und der Privat-Beamten-Verein verkauft die Anteile. 400
Morgen erwarb der bisherige Gutsinspektor Georg Steblein. Nach dessen Tod im
Frühjahr 1909 ist die Witwe Stebleins Besitzerin des Gutes. Am 6. Oktober 1913
vernichtet ein Feuer sechs Scheunen. Otto Klaue ist 1926 Rittergutsbesitzer. Am
1.Oktober 1928 wird der Gutbezirk aufgelöst. Der Gemeindevorsteher von Prieschka
übernahm sämtliche Geschäfte des Dorfes. Hermann Göbel ist 1942
Rittergutsbesitzer.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden mehrere herrenlose Bauernwirtschaften
(Mühlengut Maidorn/Flössig; Wirtschaft Karl Hasemann, jetzt Richter/Karbaum und
Wirtschaft Eißner, jetzt Hofmeister/Vorwerk) zusammengelegt, um sie zu einem
kommunalen Landwirtschaftsbetrieb zu entwickeln, der anschließend als
Kreisgeleiteter Tierzuchtbetrieb fortgeführt wurde. Im Zuge der sozialistischen
Umgestaltung der Landwirtschaft 1961 wurde die LPG „Elstergrund gegründet. 1964
wurde die LPG wieder aufgelöst und zum VEG umgewandelt. Im Jahr 19 wurde die
Zweigstelle des die Schweinemastanlage in der Nähe Oschätzchen erbaut. Mit der
Wiedervereinigung Deutschlands 1990 erfolgte die Reprivatisierung des Gutes.
1991 erwarb Herr Osterhuber das Gut, seitdem befindet sich dort die Osterhuber
Agrar GmbH. Eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Herrenhauses
wurde 1995/96 durchgeführt.
Rittergutsbesitzer
1698 -1724 Andreas Gottfried von Kirchbach
1724 -1766 Hans Karl von Kirchbach
1766 -1800 Ditzthum von Eckstädt und dessen Frau
1800 -1815 Kadner
1815 -1854 Fischer
1854 -1892 Rudolf von Fischer
1892 -1909 Deutscher-Privatbeamten-Verein
1909 -1926 Georg Steblein, bzw. dessen Witwe
1926 Otto Klaue
1942 -1942 Herrmann Göbel
1943 -1945 Volke
weitere Namen: Bauer, Ibert, Jens, Kran
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